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Editorial Dezember 2014

„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an, mit 66 Jahren“…oops, stopp, mach mal jemand den Udo Jürgens aus. Wir werden ja erst 20 Jahre alt. Fühlt sich nur nach 66 an, eigentlich auch eher nach 666 Jahren. Kohl war noch Kanzler, als wir 1994 im rattenverseuchten alten Schlachthof zwischen Fleischabfällen und Ruinen unsere Kultur-Butze eröffnet haben. Es hätte wohl niemand auch nur einen Heiermann (In Worten: Fünf D-Mark) drauf gewettet, dass wir länger als zwei Jahre durchhalten würden. Und ehrlich gesagt wollte uns trotz (oder wegen?) des jahrelangen Kampfes für ein Kulturzentrum auch keiner der Offiziellen so wirklich, ausgenommen der an dieser Stelle ausdrücklich bedankte ehemalige Kulturdezernent Peter Riedle. Wie sagte ein paar Jahre später ein hochrangiger Politiker, als wir uns darüber beschwerten, dass unser Mietvertrag mit der Stadt immer nur über ein Jahr liefe, Planungs- geschweige denn Investitionssicherheit so immer konterkariert werde? „Es hat Sie niemand gezwungen, ein Kulturzentrum zu gründen“. Herrlich. Jahrelang waren wir und ihr, liebe Gäste, vor allem eines: Ein lästiges Ärgernis in einer doch recht ausgeprägt auf Traditionspflege einerseits, Oberflächlichkeit und Chi-Chi andererseits gepolten Stadt, in der ein Besuch beim Edelitaliener schon genug Kultur für die Woche bedeutete, solange man einmal im Jahr auch auf Pferde wetten konnte. Das hat uns nicht davon abgehalten, über die Jahre nunmehr bald 5.000 (!) Veranstaltungen jeder Art durchgeführt zu haben – und das mit einigem Erfolg, wie wir meinen. Und dabei gleichwohl engagiert, partizipativ und bei einer Eigenfinanzierungsquote von weit über 90% im laufenden Betrieb auch wirtschaftlich aufgestellt zu bleiben. Und insbesondere, auch das glauben wir sagen zu dürfen, stets unsere Wurzeln, wie auch den weiteren Weg im Blick behalten zu haben.

Vor allem aber hat unsere dabei stets prekäre Lage EUCH nicht davon abgehalten, zu uns zu kommen. Denn ohne Euch wäre das ja alles nix und sowieso ziemlich sinnlos. Wir machen Kultur ja nicht um einen schönen Jahresbericht drucken zu können. Der größte Dank geht also an euch, unsere Gäste!

Mittlerweile erfahren wir auch aus Politik und Behörden eine jahrelang so nicht für möglich gehaltene Unterstützung. Ohne diesen Rückenwind wären Neubau und Turmsanierung nicht finanzierbar gewesen, das Projekt Schlachthof an sein Ende gekommen. Ein großes Dankeschön daher auch an diese(r) Stelle! Mit alten und neuen Verbündeten in der Stadt arbeiten wir weiter. Nicht nur an einem vielfältigen Programm, sondern auch an unserem Beitrag für eine vielfältige, quirlige, weltoffene und verantwortungsvolle Stadt! Auch in 2015 ist das kein leichtes Unterfangen – aber ein lohnenswertes.

Zum Turm müssen wir an dieser Stelle noch ein paar weitere Worte verlieren. Was der Berliner Flughafen BER und die Elbphilharmonie können, können wir schon lange - die für Mitte Januar geplante Eröffnung verzögert sich um einige Wochen (Immerhin nicht gleich Jahre). Ein neues Datum folgt in Kürze. Die gute Nachricht dabei: Die Räucherkammer wird geöffnet bleiben und die für das Kesselhaus geplanten Veranstaltungen beherbergen, bis dieses dann wirklich eröffnet!

Prosit Neujahr und auf die nächsten 666 Jahre!

Eure K.u.K.’ler (berufsjugendlich bis frühvergreist, aber immer für einen Scherz zu haben)

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