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Editorial Dezember 2015 / Januar 2016

Liebes Publikum,

ausnahmsweise möchten wir an dieser Stelle nicht von uns selbst reden, sondern mit unseren Freundinnen und Freunden vom Café Klatsch beginnen. Das „Klatsch“ ist eine Institution in Wiesbaden, seit es einer Gruppe politisierter junger Leute, die sich Anfang der 80er bei Protesten gegen eine internationale Militär-Messe und im Widerstand gegen die Startbahn-West zusammengefunden hatten, gelang, die Gasträume der ehemaligen „Bierfestung Barbarossa“ in der Marcobrunnerstraße 9 anzumieten und dort etwas Eigenes zu schaffen. Im damals ungebrochen bürgerlichen Wiesbaden eroberten sie sich einen alternativen Raum und trafen voll ins Schwarze. Bis heute ist das Klatsch ein sozialer Raum, in dem man sich trifft und dabei ein bisschen mehr wie anderswo so bleiben kann wie man ist. Menschen aus dem Klatsch engagierten sich in der Antifa, der Anti-AKW- und der Frauenbewegung. Trotz der Umbrüche und teilweise erbitterten Auseinandersetzungen in der linken Szene, wie sie in den letzten 30 Jahren bundesweit stattgefunden haben, hat das Klatsch Kurs gehalten und sich dabei immer wieder neu erfunden. Aus der Kneipe ist eine Bar geworden. Und bis zum heutigen Tag steht das Klatsch-Kollektiv konsequent als gelebter Gegenentwurf zu dem, was gemeinhin in der Arbeitswelt als gegeben hingenommen wird. Das Kollektiv praktiziert das solidarische Arbeiten ohne Chef*innen und handelt es dabei immer wieder neu aus. Und so soll es bleiben!

Nun wurden die Räume des Klatschs vom Eigentümer zum Verkauf angeboten. Der Verein LinksRoom e. V., in dem sich Unterstützer*innen und Kollektivist*innen zusammengefunden haben, will sie kaufen, um dem Klatsch langfristig seine Autonomie zu sichern. Das Café muss nicht wie weite Teile des Rheingau-Viertels gentrifiziert werden. Der Schlachthof unterstützt den Kauf mit dem Reingewinn aus einem Soli-Konzert am 29. Dezember mit Canyoucancan und Puerto Hurraco Sisters – auch die vom Klatsch präsentierte Superbleep-Party am 27. Dezember soll an dieser Stelle empfohlen sein. Mehr zu der Initiative unter www.linksroom.de/

Empfohlen werden soll zudem eine neue Reihe kleiner, aber feiner Konzerte, die wir unter der Überschrift Sounds & Sights im schönen Veranstaltungssaal des Museums Wiesbaden auf die Bühne bringen. Präsentieren wollen wir hier in loser Folge Künstler*innen, deren musikalischer und ästhetischer Ansatz über den gewöhnlichen popkulturellen Verwertungszusammenhang hinausweist. Den Anfang macht am 12. Dezember. Joe Acheson alias Hidden Orchestra aus Schotttland, am 16. Januar wiederum betritt der maskierte Pianist Lambert die Bühne, der nicht umsonst den ersten Platz bei unserem kleinen Kritiker*innenpreis (vulgo: Bandcheck, siehe Heftmitte) belegt. Na gut, den er sich, um der Wahrheit die Ehre zu geben, mit den Elektronikpionieren von Fraktus teilt, die ihrerseits am 27. Januar bei uns auftreten. „Without Fraktus, there was no Mute Records“, um es mit Daniel Miller zu sagen, der, nachdem Fraktus ihm einen Korb gegeben hatten, unverrichteter Dinge Depeche Mode unter Vertrag nehmen musste.

All dies und sehr vieles mehr seht ihr – wenn ihr wollt und wenn ihr könnt – im Dezember und Januar in unseren Gemäuern. Und so heißt es auch diesmal wieder: Bitte weiterklicken. Hier gibt es nichts mehr zu sehen.

Außer natürlich, dass wir auch dies Jahr auf eine altbekannte Jahresabschlusstradition hinweisen möchten. Denn auch dieses geht nicht zu Ende, ohne dass ein wahres Feuerwerk an Leserpolls in euren Lieblingsmusikmagazinen und deren Online-Dependancen rausgeschossen würde, in Intro, Spex, Rolling Stone, Sonic Sedcucer, Musikexpress, Visions und wie sie nicht alle heißen.

Wir würden uns freuen, wenn ihr wieder mitmachtet und den Schlachthof in eurem Interesse (Gewinne, noch bessere Konzerte im kommenden Jahr) aber auch in unserem Interesse (Fame, noch bessere Konzerte im kommenden Jahr) in die Rubrik des "BESTEN CLUBS" des Landes wähltet. Gewinnen könnt ihr wie immer doppelt: Die Magazine selbst schütten ein gerüttelt‘ Füllhorn an Preisen aus und wenn ihr uns an poll@schlachthof-wiesbaden.de eure Listen/Screenshots schickt, legen wir noch mal 30 x 2 (In Worten: dreißig mal zwei!) Gästelistenplätze oben drauf. Gültig für ein Konzert eurer Wahl im Jahr 2016. Ausgenommen ausverkaufte Shows, logisch. Deal? Deal!

Nun, ihr wisst, was zu tun ist – und wir sagen danke im Vorabbereich! Und wünschen schöne Feiertage.
Und ein happy new year!

Wartet auf den Osterhasen (sowas von vorn): Das Schlachthof-Team

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