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Editorial Juli / August 2016

Der Schlachthof Wiesbaden macht Trends. Vor bald 22 Jahren losgezogen, vom Gemeindehaus in der Fritz-Kalle-Straße etwa, oder vom Tattersall in der Saalgasse, ist er die feinste Adresse in Sachen Events und good times in Wiesbaden. Als Engineer of the souls kennt das Schlachthof Team die geheimsten Wünsche seiner Gäste. Immer noch aber tauchen Fragen auf, die an dieser Stelle beantworten werden sollen. Ein Ortstermin in der Murnaustraße 1.

Die jüngste Entdeckung, die Sie begeistert hat?

Wir sind immer wieder begeistert über uns selbst. So einen knusprigen Oldschool-Club findet man nicht alle Tage. Lemmy hat hier noch eine Jacky-Coke offen, Promise Ring eine Palette CDs endgelagert – aber wir wollen nicht aus dem Nähkästchen plaudern.

Wohn führen Sie Freunde aus dem Ausland aus?

In den Schlachthof. Allein die Treppen aus dem mit original Sichtbeton ausgekleideten Toilettenbereich empor zu steigen, ist ein Genuss! Das Licht dazu, eine Reminiszenz an die großen Neon-Discos der 80ies. Studio 54, CBGB’s, Paradise Garage, Hacienda, Heinz Karmers Tanzcafé, No Order, you name it. Von außen spottet der Architektur-Liebhaber*in dabei authentisch-farbenfrohes exteriour Design im Dänische-Kita-Style (Nominativ/Dativ unklar).

Drei empfehlenswerte Lokale?

Das. 60. 40.

Bei aller konzeptionellen Strenge. Sind Konzerte noch zeitgemäß?

Wir embracen auch Literatur und Tanzveranstaltungen. Doch ohne Konzerte wäre es m.E. recht leer bei uns. Der Anblick der radikalen Leere ist aber, „als ob einem die Augenlider weggeschnitten wären", wie Heinrich v. Kleist gesagt hat. „Diese Bilder sind Inbegriff der deutschen, romantischen Seele“, wie Angelika Taschen gesagt hat. Wieso hier von Bildern in der Mehrzahl gesprochen wird, wissen wir nicht. Hegelianisch gewendet würden wir sagen: „Wer etwas Großes will, der muss sich zu beschränken wissen, wer dagegen alles will, der will in der Tat nichts und bringt es zu nichts.“

Barfuß oder Lackschuh?

Barfuß in den Lachsfisch. Ist keiner zur Hand, behilft sich der Kosmopolit, die Kosmopolitin mit ausgehöhlten Oliven, die er oder sie über die Fußzehen zieht. Wer es quick and dirty mag, nimmt Feinkost Dittmann, wir empfehlen die Olivenmanufaktur in Ayvalık (griechisch Κυδωνίες Kydonie) an der türkischen Ägäis: Flagship Store in der Phanaromani-Kirche auf dem Weg zum Fußballstadion rechts. Grüne und schwarze Oliven im Wechsel ergeben schön geringelte Muster mit geilem 70ies Feel. Knoblauch-, Mandel- und Paprikafüllungen werden kalt gepresst zum Durstlöscher. Die Ferse abschließend  in gebrauchte Ardo-Gardinen mit Goldkante wickeln. Upcycling ist Trumpf.

Was für neue sexy Trends nehmen Sie wahr?

Das nächste große Ding nach Craft Beer und Street Food: Craft Brot. Vom Baker’s Bazar bis zu Baker’s Bizzare decken wir dabei ein fashionables Portfolio ab. „Disco 3000!“, wie Jarvis Cocker sagt. Aufgelegt werden nur heiße (Brot-)scheiben von Radiobread, Bread Pit, VollKoRn, Breadney Spears, aber auch Laibach, Walker Brothers, Royal Mehl – von top nodge DJs wie Mick Bäcker (Stones), Michael Brother von NEU! oder Franz Backenbauer serviert.

Vielen Dank. Damit sollten die letzten Fragen geklärt sein. Gibt es noch Dinge, die Sie ihrem Publikum mit auf den Weg geben möchten?

Für Abwechslung beim morgendlichen Smoothie sorgen Lebensmittelfarben aus Halbedelsteinen. Zartbitterschokolade hält länger, wenn man sie nicht gleich aufisst. Aufschläge beim Tennis möglichst diagonal servieren. Unsere Sommerveranstaltungen machen schön und führen zu ewigem Leben. Bescheidenheit ist eine Zier.

Sommerliche Grüße,
Das Schlachthof-Team (nach Diktat verreist)

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