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Editorial Oktober 2016

Liebe Freundinnen, liebe Freunde,

vor lauter Überschwang hatten wir ja bereits im September an dieser Stelle eine Sneak-Preview auf den Oktober gegeben, sodass die Wiederholung von nur geringem Nachrichtenwert zumindest für die aufmerksamen Leserinnen und Leser dieser kleinen Kolumne ist. Daher sei an dieser Stelle insbesondere auf das Live-Hörspiel „Ready For Boarding“ am 17.10. hingewiesen. Das Stück des Brachland Ensembles ist eine Koproduktion mit der Tafelhalle im KunstKulturQuartier Nürnberg und Amnesty International, gefördert vom Kulturamt der Stadt Kassel, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und der Stadt Nürnberg. Im Anschluss findet ein Nachgespräch gemeinsam mit Gruppenmitgliedern von Amnesty International und dem Ensemble statt. Verlesen werden chronologisch geordnete Dokumente mit schockierendem Inhalt. Auszüge aus dem CIA-Folterreport des US-Senats 2014. Dominik Breuer (Text und Regie) übersetzte diese und stellte sie aus dem offiziellen knapp 600-seitigen Bericht über das Internierungs- und Verhörprogramm der CIA zusammen, das nach den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 gestartet wurde. Verstärkt durch das hervorragende Sounddesign von Milan Pesl wird deutlich, wie sich das Programm zu einem Haft- und Foltersystem entwickelt, dem die versagende Bürokratie keinen Einhalt bietet. Wir sind gespannt.

Vor hier aus zum Konzertprogramm zu sprechen zu kommen, gehört wie immer zu dem großen Spagat, den wir tagtäglich vollziehen. Fangen wir des runden Übergangs wegen mit den Dead Kennedys an, denen – auch ohne Jello – zuzuhören so klingt, als sei keine Sekunde vergangen seit Ronald Reagan Präsident der Vereinigten Staaten war, Thatcher im Vereinigten Königreich die Sozialsysteme zerschlug, Kohl bei uns 16 bleierne Jahre regierte. Vielleicht ist es in einem gewissen Sinne auch nicht.

Kohl getanzt wird heuer übrigens auch, nämlich auf der großen Tanz den Kohl!-Sause am Vorabend des Tages der Einheit. Auch schön, dass Slime, nennen wir sie an dieser Stelle die deutschen Dead Kennedys, zum allersten Mal in den Schlachthof kommen, um nicht nur ihr aktuelles Werk „Sich fügen heißt lügen“ vorzustellen, auf dem sie Gedichte Erich Mühsams vertonen (und dessen Aktualität eindrucksvoll unter Beweis stellen), sondern auch ein Potpourri ihrer größten Smash-Hits aus allen Jahrzehnten. Toll auch: Deap Vally, die sich bei einem Strickkurs in LA kennengelernt haben, bevor sie beschlossen, zusammen eine Band zu gründen. Nicht weniger ans Herz gelegt seien euch Sea + Air, eh nicht zum ersten Mal bei uns zu Gast und in Zeiten des scheinbaren Auseinanderfallens der europäischen Union nicht nur musikalisch wichtiger denn je. Love is in the air! Und natürlich Okta Logue, die en passent beweisen, dass man nicht aus dem Südwesten der Vereinigten Staaten kommen muss, um den besten Psych-Pop der Saison zu machen. Sensationell auch: Blues Pills gehen gemeinsam mit Kadavar auf Tournee, Trümmer mit Nicolas Sturm, beide Kombis gastieren natürlich auch bei uns im Haus. Nicht weniger empfohlen seinen Nothing aus Philadelphia, die wie keine zweiten Dinosaur Jr. Mit der ersten Welle britischen Shoegazes verweben, aber auch der Pianist Martin Kohlstedt, der im Rahmen unserer Reihe Sounds & Sights im Museum Wiesbaden gastiert. Ältere Semester erfreuen sich an Fu Manchu, New Model Army (mit Justin) die ebenfalls allesamt bei uns im Oktober auftreten. Und noch viele mehr.

Herzlichen Gruß,
Das Schlachthof-Team

 

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