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Editorial März 2020

Am 21.3.2020 findet im und um den Schlachthof herum erneut die Tapefabrik, das größte Untergrund-HipHop-Festival Deutschlands statt. Jährlich reisen 3000 Menschen an, um HipHop und Rap mit über 50 50 RapperInnen, BeatproduzentInnen, DJs, Graffiti-MalerInnen und Fans zu feiern. 

Die Tapefabrik hat es sich bereits 2012 zur Aufgabe gemacht, der abseits des Mainstreams und der öffentlichen Wahrnehmung so vielfältigen, sich ständig entwickelnden Kultur einen eine Plattform und Raum zu geben. Schreibt etwa der SPIEGEL in seiner aktuellen Coverstory von “Waffengeprotze und frauenverachtenden Texten” mit denen “deutsche Gangsta-Rapper” die Charts dominieren würden, geht es für die Community rund um die Tapefabrik um einen Gegenentwurf zu all dem, was auf diese Art durch die Charts, die großen Open-Air Festivals und das Feuilleton als HipHop wahrgenommen wird. Die KünstlerInnen, die im Rahmen des Projektes zusammenkommen, repräsentieren das, was man gerne als “Untergrund” bezeichnet, also HipHop, der für sich selbst den Anspruch erhebt, besonders tiefgründig, künstlerisch, potenziell auch sozialkritisch zu sein. 

So ist es nicht verwunderlich, dass auch gesellschaftliche Entwicklungen einen großen Einfluss auf die Veranstaltung und deren TeilnehmerInnen haben. Das Leitbild des ehrenamtlichen Teams positioniert sich entschieden gegen jedwede Diskriminierung, Sexismus, Rassismus, Antisemitismus und Homophobie und lässt dort keinerlei Spielraum zu. Wer die deutsche Rapszene, ihre Struktur und Themen kennt, erahnt sofort Konflikte: Unter anderem ist sie deutlich maskulin dominiert und kämpft an vielen Stellen mit mehr oder weniger offen sexistischen Tendenzen. Auch deshalb hat das Team rund um das Festival im letzten Jahr eine wichtige Entscheidung getroffen. Dazu äußert sich Johanna Bauernschmitt, aus dem Tapefabrik Team wie folgt: 

„Letzten Herbst haben wir uns dazu entschlossen, der Keychange Initiative beizutreten, ein internationaler Zusammenschluss von AkteurInnen der europäischen Musikszene, die es sich bis 2022 zum Ziel machen, der Gleichberechtigung der Geschlechter in der Musikindustrie möglichst nahe zu kommen. Für VeranstalterInnen bedeutet das, das Programm mit mindestens 50% weiblichen Acts zu besetzen. Wir sehen hierbei vor allem im Hip-Hop eine große Relevanz, da das Genre derzeit durch deutlich geringere Einstiegsbarrieren für männliche Künstler geprägt ist. Die Keychange Initiative passt perfekt zu uns, da das Motto der Tapefabrik “Untergrund aus Prinzip” von Beginn an daraufsetzte, Artists eine Bühne zu geben, die diese sonst nicht hätten. Uns ist es trotzdem wichtig, festzuhalten: Es wird niemand aufgrund seines Geschlechts gebucht oder nicht gebucht, sondern weil er oder sie einfach dope Musik macht. Es geht darum, Künstlerinnen eine Plattform zu geben, die diese sonst aufgrund von eingefahrenen Strukturen nicht haben. Wir machen bei der Keychange Initiative mit, um der Sache an sich mehr Gehör zu geben. Wir hoffen, dass noch mehr VeranstalterInnen und andere AkteurInnen sich anschließen und wir als Szene und schließlich auch als Industrie eine nachhaltige Veränderung herbeiführen können. Wir sind Teil dieser Bewegung, da wir glauben, dass nur eine proaktive Haltung dazu führen kann!”

Das Tapefabrik Festival findet am 21.03.2020 im Schlachthof Wiesbaden mit mehr als 50 KünstlerInnen auf 4 Bühnen statt. Weitere Informationen bekommt ihr unter http://www.tapefabrik.de

Dieses Editorial ist Gastbeitrag des Tapefabrik-Teams – viele Grüße aber auch von uns, eurem Schlachthof Team.

 

 

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