Aktuelles / News

Editorial Mai 2019

“The beauty of standing up for your rights is others will see you standing and stand up as well.” – Cassandra Duffy 

Wiesbaden ist eine unheimlich vielfältige Stadt, die die verschiedensten Menschen als ihr Zuhause betrachten. Diese Vielfalt sichtbar zu machen, ist ein Etappenziel auf dem Weg zu gegenseitiger Toleranz und Akzeptanz in einer Gesellschaft. Gerade für sexuelle Minderheiten hat sich in Wiesbaden einiges getan. Oder vielmehr: Sexuelle Minderheiten haben in Wiesbaden viel erreicht! 

Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans*, intergeschlechtliche und queere Menschen werden heute oft unter der Akronym LSBT*IQ zusammengefasst. Dass die einzelnen Vertreter*innen dieser Gemeinschaft sexueller Minderheiten jedoch auch wirklich ein Gefühl der Gemeinsamkeit spüren, ist keine Selbstverständlichkeit und gewissermaßen ein neues Phänomen. LSBT*IQ wirklich als Community zu leben, bedeutet nach wie vor Arbeit von allen Beteiligten.
Es gilt, aufeinander zuzugehen, sich zuzuhören und füreinander einzustehen. Erst wenn Schwule, Lesben und Bisexuelle erkennen, was trans* Menschen bewegt, können sie überzeugt und glaubwürdig ihre Solidarität anbieten. Erst wenn alle verstanden haben, dass der Kampf intergeschlechtlicher Menschen für die Anerkennung ihrer Körperlichkeit sich von den queerpolitischen Inhalten anderer sexueller Minderheiten unterscheidet, können LSBT*IQ auf Augenhöhe und Hand in Hand einen gemeinsamen Weg kämpfen: Für die umfassende Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, gegen Zwangsoperationen und gegen Diskriminierung. 

Wiesbaden ist ein Beispiel dafür, wie auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen gemeinsam Community gelebt und Sichtbarkeit geschaffen werden können. Organisationen wie die AIDS- Hilfe und Warmes Wiesbaden kooperieren das ganze Jahr über in den unterschiedlichsten Projekten. Ebenso gibt es eine enge Zusammenarbeit mit dem Schlachthof, der mit der monatlichen Party Let’s Go Queer seit acht Jahren ein fester Treffpunkt für die LSBT*IQ-Szene darstellt. Organisationen, Initiativen und Gruppen sind untereinander gut vernetzt, planen zum Beispiel beim Runden Tisch LSBT*IQ Lebensweisen neue Projekte, die gemeinsam angegangen werden sollen. Die Landeshauptstadt Wiesbaden hat im letzten Jahr eine LSBT*IQ- Koordinierungsstelle im Rathaus geschaffen, die die Community unterstützt und zwischen Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung vermittelt. 

Die LSBT*IQ-Community in Wiesbaden steht für die engagierte und vertrauensvolle Zusammenarbeit verschiedener Akteur*innen und für die vielfältigen Wege, wie Selbstermächtigung, der Abbau von Diskriminierung und der selbstbewusste Einsatz für eine vielfältige Gesellschaft erreicht werden können. 

Ein besonderes Beispiel hierfür ist die Queere Kulturwoche im Mai. Hier verschmelzen queere Politiken mit queerer Kultur, Protest mit Party und individuelle Befreiung mit kollektivem Gedenken. Den Start macht der Internationale Tag gegen Homophobie, Biphobie, Interphobie und Transphobie (IDAHOBIT) am 17. Mai mit einem Regenbogenempfang für LSBT*IQ im Rathaus und einer Kundgebung mit Gedenkminute auf dem Mauritiusplatz. Direkt danach und an jedem folgenden Tag bietet die Queere Kulturwoche Konzerte, Lesungen, Filmabende, Partys und Lesungen. Den Höhepunkt bildet natürlich der Christopher Street Day mit Demonstration, Open Air Fest und Party. Der CSD Wiesbaden beweist, dass queere Kultur politisch ist und der Emanzipationskampf sehr viel Spaß machen kann. Genau das macht die LSBT*IQ Community aus. 

Ich wünsche allen, die Lust haben, gemeinsam zu demonstrieren, zu tanzen, zu diskutieren, zu feiern und sich zu solidarisieren, viel Spaß bei der Queeren Kulturwoche in Wiesbaden. 

Stefan Kräh
LSBT*IQ-Koordinierungsstelle der Landeshauptstadt Wiesbaden 

Zurück