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Editorial November 2018

Liebe Leute, 

zum nunmehr 11. Mal findet in Wiesbaden die Veranstaltungsreihe „Tarbut – Zeit für jüdische Kultur“ in Wiesbaden statt. Auch wir beteiligen uns seit einigen Jahren an der von der jüdischen Gemeinde Wiesbaden initiierten Reihe. Dieses Jahr liegt der Fokus auf der Gründung des Staates Israel vor 70 Jahren. Den Anfang machte am 23. August die Ausstellung „70 Jahre Israel in 70 Plakaten“ von Henrietta Singer und Sara Neumann im Wiesbadener Rathaus, das Programm erstreckt sich noch bis zum 02. Dezember. Keinesfalls verpassen sollte man die musikalischen Programmpunkte wie zum Beispiel die Ginzburg Dynastie am Abschlusstage im Kulturforum oder – so viel Eigenwerbung muss erlaubt sein –die Konzerte von Yemen Blues am 24.10., sowie von Häxxan am 28.10. bei uns im Haus. Selbstverständlich kommen auch Literatur und Film nicht zu kurz. Wir empfehlen zur Übersicht wärmstens einen Blick auf https://www.jg-wi.de/tarbut/tarbut-uebersicht/

Gerade in Zeiten eines allerorts erstarkenden Antisemitismus, nur allzu oft und allzu schlecht verbrämt als sogenannte „Israelkritik“ (sic!), ist es uns wichtig, ein Zeichen zu setzen und uns mit aller Kraft diesem Backlash entgegenzustellen. Der nicht zuletzt auch in unserem Metier, der Popkultur, seit einigen Jahren übelriechende Blüten treibt. Nicht zuletzt die transnationale Kampagne BDS (Boycott, Divestment and Sanctions) ist hier als trauriger Tiefpunkt zu nennen, in der sich ein uninformierter Antizionismus mit unverhohlenem Antisemitismus mischt, eine Kampagne, die die vollständige politische, wirtschaftliche und kulturelle Isolation Israels als eines imaginierten „Apartheidstaates“ fordert und auf stumpfeste Art Druck auf Künstler*innen ausübt, die sich erlauben, auch weiterhin in Israel auftreten  zu wollen – und nicht nur da, ein weiteres Low setzte BDS etwa zuletzt beim Berliner Popkulturfestival, das sich erlaubt hatte, einen Reisekostenzuschuss der israelischen Botschaft für dort auftretende israelische Künstler*innen anzunehmen – Künstler*innen, die ohnehin generell in Sippenhaftung genommen und mit dem Staat Israel identisch gesetzt werden. Aufgrund des ausgeübten Drucks unter dem sackblöden Claim „Sponsored by Apartheid“ sagte eine ganze Reihe an arabischen, aber auch englischen Bands ihre Auftritte ab. Ihr zur Seite gesellt sich seit Neustem eine nicht weniger blöde Initiative namens „DJs For Palestine“, deren Für-etwas-Sein sich freilich vor allem in einem Dagegen-sein als verlängerter Dancefloor-Arm des BDS äußert; Linus Volkmann etwa stellte dazu erst jüngst in einem Beitrag für den WDR die richtige Frage, wo wohl im Nahen Osten eine queere Dance-Party stattfinden könne – wenn nicht in Israel. Kein Problem für die Anhänger*innen des Kulturboykotts, die die Liberalität des einzig demokratisch verfassten Staates dieser Region umstandslos in ein „Pink Washing“ umzudeuten verstehen. Hauptsache, ihre wahnhaften Projektionen über Israel als den „Jude unter den Staaten“ werden nicht beeinträchtigt.

Wer vor millionenfachem, barbarischen, mörderischen staatlichen Handeln weltweit die Augen verschließt, der möge doch bitte vor allem gegenüber Israel, das angesichts seiner Feinde eine wahrlich erstaunliche Liberalität behält, die Schnauze halten. Das scheint uns ein so selbstverständlicher kategorischer Imperativ zu sein, dass er, so meinen wir, keiner weiteren politischen oder historischen Begründung bedarf. Weder in Deutschland noch anderswo auf der Welt.

Wir jedenfalls setzen weiterhin auf kulturelle Vielfalt und heißen alle jene willkommen, die sich mit uns für ein diverses, buntes, weltweites, interkulturelles, intersexuelles Miteinander einsetzen.

Das Schlachthof Team

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