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Editorial Oktober 2019

Der Schlachthof ist ein Ort der Vielfalt

Im vergangenen Mai hat die Wiesbadener AfD uns unterstellt, wir würden Terroristen unterstützen und kündigte an, im Stadtparlament verhindern zu wollen, dass Wiesbaden uns weiterhin mit Kulturaufgaben betraut.

Die AFD hat den Schlachthof angegriffen, weil wir ein Ort der Vielfalt sind. Kollektiv und unabhängig seit 1994. Gegen Diskriminierung, Sexismus, Rassismus, Antisemitismus und Homophobie. Dies zeigt sich zum Beispiel an den vielen Kooperationen mit Initiativen und Vereinen wie Viva con Agua, dem Flüchtlingsrat, EVIM Behindertenhilfe, Warmes Wiesbaden, dem Amt für soziale Arbeit oder der jüdischen Gemeinde - und nicht zuletzt in unserem Programm selbst, wie etwa den im weitesten Sinne der Weltmusik zuzuordnenden Reihen Boundless oder Türk Müzik.

Wir haben nach der Attacke durch die AFD viel Unterstützung bekommen. Von Euch, dem Wiesbadener Kulturbeirat und auch dem AK Stadtkultur. Vielen Dank dafür.

Der absurde Angriff reiht sich ein in die seit Jahren von der AfD betriebenen Versuche, Kultureinrichtungen zu diskreditieren, in ihr Programm oder die Personalplanung einzugreifen oder ihnen die finanziellen Mittel zu entziehen.

Überregional wehrt sich seit 2017 der Verein „Die Vielen“ gegen diese Attacken von rechts. Unter dem Dach des Vereins schließen sich Kultureinrichtungen zusammen, die mittels gemeinsamer Erklärungen Stellung beziehen und die Freiheit der Kunst und Kultur bewahren wollen. 30 Erklärungen gibt es aktuell. Zum Beispiel in Berlin, Mannheim, Dresden, Frankfurt oder Hamburg.

Seit diesem Sommer gibt es nun auch auch in Wiesbaden eine eigene Erklärung. Erstunterzeichnet von 38 Kulturinstitutionen, darunter die Friedrich- Wilhelm-Murnau-Stiftung, die Volkshochschule Wiesbaden und selbstverständlich auch wir vom Schlachthof:

 „Zu einer freien, demokratischen Gesellschaft gehören Meinungs- und Pressefreiheit. Aber auch die Freiheit von Kunst und Kultur sind in einer Demokratie nicht verhandelbar. Denn nur in einer Gesellschaft, in der Kulturschaffende, Künstler*innen und Kreative frei sind, kann sich eine Gesellschaft weiterentwickeln.

Kunst und Kultur setzen sich kritisch mit der Gesellschaft auseinander, fordern den Dialog, die Auseinandersetzung. Hier werden Visionen für die Zukunft entwickelt, Kritik an gesellschaftlichen Zuständen geübt. Dies kann Veränderungsprozesse initiieren und den gesellschaftlichen und politischen Diskurs begleiten.

Demokratie ist ein stetiger Streit der Positionen und Meinungen. Sie gibt nicht nur Freiräume, sie fordert auch, dass diese besetzt werden. Um diese Freiheiten zu erhalten, wehren wir uns als Kulturschaffende gegen alle Versuche die Freiheit von Kultur und Kunst einzuschränken.

In Wiesbaden leben 291 000 Menschen aus über 160 Nationen und fast 50.000 haben einen Migrationshintergrund. Um die Diversität unserer Gesellschaft abzubilden und Begegnungen zu fördern, bieten wir Raum für Vielfalt und Diversität und wehren uns gegen Spaltung, Ausgrenzung und Abwertungen von Minderheiten, gegen Rassismus, Homo- und Transphobie, Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus, Islamophobie und völkisch-nationalistisches Gedankengut.“

Den Text mit Unterzeicher*innen und Infos zu „Den Vielen“ findet Ihr unter: https://www.dievielen.de/erklaerungen/   

Bis hierhin erstmal. Und nun viel Spaß beim Oktoberprogramm. 

Euer Schlachthof Team

 

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